Im Takt der Herz-Zeit

30.01.18

Endlich sind sie Geschichte die Übergangsmonate mit Interventionen im engen mobilen Herzkatheterlabor (HKL), Zusatzschichten im Hybrid-OP und Patientenschleuse über den Hof. Zwischen Gebäude E und B stand ganze 6 Monate ein LKW mit Lastenauflieger, der ein mobiles HKL beherbergte. Genau die Zeit, die es brauchte, um das HKL 1 zu erweitern und eine zweite modernste Anlage in das Bestandsgebäude am Klinikum Magdeburg zu integrieren.

Als 2007 das HKL 1 eröffnet wurde, ahnte niemand, dass es nicht einmal 10 Jahre dauern würde, bis die Kapazitätsgrenzen zur Auslastung erreicht wären.

„Mit unserer Zertifizierung 2014 als erste Chest Pain Unit (Brustschmerzeinheit) in Magdeburg und dem Norden Sachsen-Anhalts stiegen die Behandlungszahlen immer weiter an. Als dann 2016 Dr. Michele Brunelli noch als Leitender Oberarzt für unsere kardiologische Klinik gewonnen werden konnte und mit ihm hochkomplexe elektrophysiologische Interventionen zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen zusätzlich auf der Tagesordnung standen, waren die Grenzen erreicht“, fasst Chefarzt Prof. Dr. Hendrik Schmidt die Situation zusammen.

Das Ausweichen in den Hybrid-Operationssaal mit zusätzlichen Behandlungszeiten in den späten Nachmittags- und Abendstunden konnte nur für eine Übergangszeit die Lösung sein. Musste doch ein komplettes Behandlungsteam neben Oberarzt Dr. Brunelli nun ständig Spätschichten übernehmen und vor allem die Daumen drücken, dass die vorhergehenden Operationen anderer Fachrichtungen im Hybrid-Saal ohne Komplikationen und Zeitverzögerung vonstatten gingen.    

Im Juni vergangenen Jahres waren dann die Detailplanungen so weit vorangeschritten, dass mit dem Entkernen im Bestandsgebäude begonnen werden konnte. Neue Verordnungen über die Raumluftqualität erforderten für beide Anlagen die Sanierung der Deckenluftanlagen. Außerdem mussten komplett neue Raumstrukturen geschaffen werden. Ein- und Ausleitungsräume sowie Schaltzentralen, Umkleidemöglichkeiten für die Hygienekleidung der Behandlungsteams, das Materiallager, Technik- und Untersuchungsräume für das HKL 1 und 2 mussten so ausgerichtet werden, dass der Platz optimal genutzt werden konnte. Keine ganz einfache Aufgabe für die Planer. Das Gebäude G gehört zu den ältesten im Gesamtkomplex. Der alte DDR-Plattenbau erfüllte nicht alle statischen Anforderungen, so dass auf der Ebene 0 Verstärkungsarbeiten vorangestellt werden mussten. Auf dem Dach des Gebäudes wurde außerdem eine neue Raumluft-technischen Anlage installiert.

All das wurde erfolgreich gemeistert und seit wenigen Tagen sind nun am städtischen Klinikum Magdeburg beide Labore im regulären Einsatz. Mit einer ECMO-unterstützen Intervention, bei der die Herz-Lungen-Maschine zur Stabilisierung von einer gefährdeten Patientin zusätzlich zum Einsatz kam, konnte das Team um Chefarzt Prof. Dr. Hendrik Schmidt den ersten erfolgreichen Eingriff im neuen HKL 1 durchführen. Damit bewegen sie sich auf höchstem Niveau, denn das Risiko eines Herzstillstandes während des Eingriffs an den Herzkranzgefäßen kann bei besonders kranken  Patienten damit reduziert werden.

Im neuen HKL 2 hat Dr. Brunelli nun modernste Technik zur Verfügung. Die Anlage ist mit der MediGuide™-Technologie ausgestattet, die in die Röntgendurchleuchtung integriert ist. Damit ist es möglich, Durchleuchtungs-Schleifen aufzuzeichnen, die später während der Ablation zur Lokalisation von Kathetern und weiteren Produkten, die mit  einem MediGuide-Sensor ausgestattet sind, genutzt werden können. Das hat den Vorteil, dass die Strahlenbelastung für Patienten und Team deutlich herabgesetzt werden kann, weil bedeutend weniger Echtzeitaufnahmen notwendig sind.

Bei einer offiziellen Eröffnungsveranstaltung konnten sich einweisende Ärzte, Krankenkassenvertreter, Kooperationspartner und am Umbau beteiligte Firmen die neuen Funktionalitäten in beiden Herzkatheterlaboren zeigen lassen. Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper wünschte dem Team einen guten Start in den neuen Räumlichkeiten.