Verabschiedung von Chefarzt Prof. Dr. Michael Löttge

20.12.17

Diplom mit 26, Dr. med. mit 29, Facharzt mit 31, Oberarzt mit 36, Habilitation mit 37 Jahren: Prof. Dr. Michael Löttge steht seit vier Jahrzehnten im Dienst der Gesundheit, 24 Jahre als Chefarzt. Jetzt geht der langjährige Chef der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in den Ruhestand.

Imposante Zahlen, die Können, Beharrlichkeit und Ehrgeiz einen Rahmen geben. Doch was sagen sie aus – über den Menschen, über seine Fähigkeiten, seine Neigungen? Sind es nicht vielfach gerade die erfolgreichsten Frauen und Männer, deren Vita auch ganz anders aussehen könnte. Nicht weniger erfolgreich, aber eben anders. Michael Löttge zum Beispiel stand anfangs Malerei und Grafik viel näher als der Medizin. Zwei Jahre an einer anerkannten Malschule hatten seinen Wunsch bestärkt, Architektur zu studieren. Dann wurde es doch die Medizin. Zufall, Schicksal, höhere Mächte? Egal. Was zählt ist auch hier, was Zahlen verbergen. Etwa die geringe Fluktuation der Mitarbeiter während seiner Zeiten als Chefarzt sowohl im St. Marienstift als auch seit 2002 am KLINIKUM MAGDEBURG. Unter seiner Leitung etablierte sich die minimalinvasive und die Brustchirurgie und das erste zertifizierte Brustzentrum der Landeshauptstadt entstand. Er baute ein hochmodernes Geburtenzentrum auf – nach der Zahl der geborenen Kinder das Zweitgrößte in Sachsen-Anhalt. Zugleich gehörte Prof. Löttge zu den Mitbegründern des Onkologischen Zentrums am KLINIKUM MAGDEBURG, wo er, wie bereits im St. Marienstift, eine zeitlang auch Ärztlicher Direktor war.

Hippokrates war’s, der einst gesagt haben soll: „Den Leib soll man nicht schlechter behandeln als die Seele.“ Und der Schweizer Politologe und  Gesundheitsökonom Dr. Gerhard Kocher resümierte in der Neuzeit über das Medizinstudium: „Sie lernten Organe, und es kamen Menschen.“ Wenn für die Berufswahl Michael Löttges ein Credo ausschlaggebend war, dann das lateinische „humanus“, zu deutsch menschlich. Ob im Umgang mit Patienten, Kollegen oder Studenten, ob in der Bürgerstiftung Magdeburg, der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt oder in der fernen Ukraine, wo der Kunst- und Sprachinteressierte seit vielen Jahren Vorlesungen hält und den Aufbau des dortigen Gesundheitswesens unterstützt – wo auch immer sich Michael Löttge engagiert, Respekt, Fairness, Wertschätzung, aber auch Loyalität sind seine steten Begleiter. Nichts kann ihn mehr berühren als das Schicksal von Menschen. Den frühen Tod seiner langjährigen Oberärztin Dr. Ines Wallstabe-Rosam, die er bereits als Studentin kannte, hat er bis heute nicht verkraftet.

Doch auch, weil das Leben für niemanden vorhersehbar ist, will Chefarzt Löttge auch den nun folgenden Lebensabschnitt ganz aktiv gestalten und angehen. „Jeden Tag so nutzen, dass es für mich ein sinnvoller Tag ist.“ Dazu gehören Reisen zu Familienangehörigen in Griechenland, die schon lange auf einen Besuch warten, ebenso wie Garten, Landwirtschaft und Freundschaften im Süden Frankreichs. Dort zählen die Löttges zwar nicht zu den Ureinwohnern, sind wohl aber fester Bestandteil der Ortsgemeinschaft. Auch Mußestunden am Klavier will er sich häufiger gönnen. „Ich werde mich jetzt wieder mehr der klassischen Musik zuwenden.“ Wenn die Zeit bleibt, denn die Uni in der Ukraine setzt nach wie vor auf den Professor aus Deutschland.

Prof. Dr. Michael Löttge verabschiedet sich nach wohlverdienter Arbeit in den RuhestandFeierliche Verabschiedung von Prof. Dr. Michael Löttge, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe