Die Not mit der Notaufnahme

18.12.15

Schon seit Jahren beobachtet auch das Klinikum Magdeburg kontinuierlich wachsende Patientenzahlen in der Notaufnahme.

Allein in den letzten 10 Jahren hat sich die Zahl der ambulanten Patienten, die keiner stationären Aufnahme bedürfen, verdoppelt. Der Anteil allerdings derer, die als echter Notfall im Krankenhaus weiterbehandelt werden müssen, ist unwesentlich gestiegen. Da sind 2004 bauliche Rahmenbedingungen in der Notaufnahme im Klinikum geschaffen worden, die mit ca. 10.000 ambulanten und 14.000 stationären Patienten kalkuliert waren. Die Hochrechnungen für dieses Jahr sagen über 20.000 ambulante plus 19.000 stationäre Patienten voraus. Es hat sich eine überaus deutliche Verschiebung in den ambulanten Sektor ergeben, die von den Krankenhäusern mit Notfallversorgung kaum noch zu bewältigen ist – infrastrukturell nicht und betriebswirtschaftlich auch nicht.

Ursache dafür sind auf der einen Seite lange Wartezeiten im fachärztlich niedergelassenen Bereich. Wenn der Besuch beim Orthopäden mit einer Wartezeit von 6-8 Wochen verbunden ist und dann die Diagnostik weitere Wochen in Anspruch nimmt, ist es doch nicht verwunderlich, das nach Alternativen durch den Patienten gesucht wird. Da ist der Besuch einer Notaufnahme, mit entsprechendem ärztlichem und diagnostischem Hintergrund durchaus zu verstehen.

Anderseits stellen Notaufnahmen im Bewusstsein der Bevölkerung häufig einfach rund um die Uhr erreichbare Arztpraxen dar.  Dass es sich um eine Not-Aufnahme für akute gesundheitliche Probleme handelt, die eine Gefahr für die eigene Gesundheit darstellen, wird einfach verdrängt.

Patientenbefragungen ergeben immer wieder, dass Wartezeiten von 2-3 Stunden „gern“ in Kauf genommen werden, wenn hinterher sicher ist, woher die Beschwerden kommen und das am gleichen Tag aufgenommene CT- oder MRT-Bild, die Röntgenaufnahme oder der Laborbefund auswertbare Beweise liefern.

Patientenströme lassen sich jedenfalls so nicht lenken. Und wer möchte bei der Anmeldung entscheiden, den Patienten ohne Begutachtung wegzuschicken? Die Akutkrankenhäuser müssen mit dieser Situation umgehen.

Liegt es vielleicht daran, dass in bestimmten Fachbereichen die Anzahl der Kassensitze nicht ausreichend ist? Gegebenenfalls müsste die Bedarfsplanung im niedergelassenen Bereich angepasst werden. Oder ist die Implementation von sogenannten Portalpraxen direkt an der Notaufnahme das Mittel der Wahl.

Hier ist die Politik gefragt, die solche Grundsatzentscheidungen auf den Weg bringen muss.

Auch im kommunalen KLINIKUM MAGDEBURG  wurden z.B. im vergangenen Jahr über 38.400 Fälle in der zentralen Notaufnahme behandelt - mit derselben Kostensituation wie in der Universitätsklinik Magdeburg. Auswertungen haben auch hier ergeben, dass Erlöse von durchschnittlich 30 Euro pro ambulantem Patient Kosten in Höhe von ca. 110 Euro gegenüber stehen.

Die budgetäre Trennung zwischen der ambulanten und stationären Patientenversorgung führt dazu, dass mit dem Zuwachs der Patienten in der Notfallambulanz das Budget der stationären Versorgung überproportional belastet wird.

Die Problematik der nicht kostendeckenden Vergütung ambulanter Notfallpatienten ist allgemein bekannt. Doch selbst das vor wenigen Wochen verabschiedete Krankenhausstrukturgesetz, welches zwar eine finanzielle Besserstellung für Häuser mit angeschlossener Notfallversorgung vorsieht, wird die Defizite in diesem Bereich nicht vollständig ausräumen können.